18.11. – 16.00 Diskussionsrunde II: Kulturraum Bern – Kultur und Stadtbild

Diskussion / Event / Kurzweg

Wie verhält sich Kultur in Beziehung zu den Regeln und Normen des Zusammenlebens in einer Stadt?

Moderation:
Michael Feller, Bern – Chefredakteur Berner Kulturagenda

Teilnehmende:
Rahel Bucher, Bern – Freiraumkultur.ch
David Roth, Luzern – JUSO Präsident
Linda Landolt, Zürich – Party-Partei
Terry Loosli, Bern – BuCK – Bar und Club Komission
Sabrina Hofer, Bern – Schauspiel-Dramaturgin Konzert Theater Bern
Reverend Beat-Man, Bern – Musiker, Voodoo Rhythm Records

Podiumsdiskussion Kultur und Stadtbild Bern from Julia Geiser on Vimeo.

Am Sonntagnachmittag traf sich, trotz des schönen Wetters, ein Häufchen
Diskussionsfreudiger an der Wylerstrasse 109. Der Rahmen war intim und die
Stimmung gelöst. Schon in der Vorstellungsrunde von Michael Feller, Chefredakteur
der Berner Kulturagenda und Moderator der Diskussion, durfte gelacht werden.
Zuerst wurden die verschiedenen Ansichten und Perspektiven auf Freiheit und
Freiraum abgeklärt. Obwohl die Teilnehmenden und deren Themenfelder sehr
verschieden waren, berührten sich deren Bedürfnisse und Ansprüche an die
Freiheit und Freie Szene doch vielerorts. Die Frage nach Freiräumen durchzog
die Diskussion, blieb jedoch immer wieder an der Frage nach Ausgang und Party
hängen. Eigentlich ein Statement für sich, wenn vielleicht auch ein erschreckendes.
Auch das schleichende Verschwinden von Freiräumen war ein grosses Thema. Die
Frage, wie auf eine solch dezente Entwicklung zu reagieren ist, blieb unbeantwortet.
Viel wurde über die Jugend geredet, als eine Generation zu der sich auch die
jüngeren Teilnehmenden bereits nicht mehr zu zählen schienen. Obwohl man oft zu
verstehen glaube, dass heutzutage nicht mehr viel für Freiräume gemacht werde,
sei es doch oftmals eher eine Frage des Erkennens. Es laufen doch eigentlich eine
Menge kleine Initiativen und es haben sich viele verschiedene Szenen gebildet. Was
aber schwierig sei, ist deren Vernetzung und ein gemeinsames Gespräch. Auch die
Frage ob Längerfristigkeit nicht mit Institutionalisierung einhergeht, kam auf und wie
sehr die Zugänglichkeit und Partizipationsmöglichkeiten diese beeinflusse. Auch
als die Diskussion für das Publikum geöffnet wurde, blieb das Gespräch angeregt
und spannend. Immer wieder durfte man sich über einen heiteren Einwurf freuen
und der Dialog blieb flüssig. Alle Fragen konnten nicht beantwortet werden und
einige Aspekte hatten keinen Platz. Dafür blieb aber eine grosse Diskussionsfreude
nach dem offiziellen Gespräch erhalten. In kleineren Gruppen wurde noch lange
weiterdiskutiert.

 

Voraussetzung:

Kultur ist immer an Kontext gebunden, an eine Zeit, einen Raum. Wo einzelne Kulturschaffende Grenzen und Anknüpfungspunkte setzen, ist grundsätzlich ihnen selbst überlassen. Im beengten Raum einer Stadt aber treffen verschiedene Wünsche und Parteien aufeinander, es gibt Wohn- und Arbeitszonen,  Lärmbestimmungen, Ausschank- und Eintrittsregelungen. Die Freiheit Einzelner wird zum Wohle vieler eingeschränkt – auch Kulturschaffende müssen sich diesem Diktat beugen, leben und arbeiten in einer Stadt unterbringen, ihren Lebensunterhalt innerhalb dieses Systems verdienen. Sowohl räumlich als auch zeitlich greifen die Gesetzgebungen innerhalb einer Stadt konkret dort ein, wo Kultur entsteht. Wer wann wo und für welches Publikum Kultur schaffen und anbieten darf, ist ein Politikum.

Kann Kunst so überhaupt frei sein? Muss sie sich einem Zonenplan unterwerfen oder kann sie diesen aufbrechen und so das Stadtbild konkret mitgestalten, Grenzen ausloten? Wo liegen die Grenzen der Kultur, bei den Eintrittskosten, bei der Lautstärke, beim Alkoholkonsum? Welche Art von Kultur ist es, die in einem solch engen Regelwerk des Zusammenlebens entsteht oder besteht? Kann diese Kultur einen Stellenwert ohne Marktwert einnehmen oder sind diese untrennbar miteinander verbunden?